Sichlete – so nannte sich die Getreide-Ernte zu Zeiten, als diese noch mit der Sichel durchgeführt wurde. Und so eine Sichel, die hatten wir auch parat, um unseren Roggen wortwörtlich ins Trockene zu bringen. Aber von vorne…
Wie das so ist, kann man in der Landwirtschaft viel planen und hoffen – letztendlich hängt jedoch fast alles vom Wetter ab und dann muss man bereit sein, kurzfristig umzudenken. Ich möchte nicht sagen, dass das immer möglich gewesen wäre, aber wir hatten Glück und waren uns spontan einig, dass wir uns bei der Vorhersage für Freitag, doch lieber am Donnerstagmorgen für das Schneiden und Bündeln der Roggenpflanzen verabreden. Ottilia hat sich nochmals vergewissert: Die Milchreife war erreicht und wir duften auch nicht viel länger warten, damit wir diesen Zeitpunkt nicht verpassen, zu dem die Halme für die Strohverarbeitung gewonnen werden müssen.
Es hatte zwar geregnet (sogar gehagelt) am Abend zuvor, doch der Roggen hatte keinen Schaden davongetragen und die Halme waren wieder trocken, als wir uns um 8:30 Uhr am Gerberhaus trafen. Das „wir“ bestand für diesen Zweck aus Ottilia Leemann, Hansjörg Leemann und Inga Hassebroek, ausgerüstet mit Sichel und Schnur zum Schneiden und Binden.
Die Wildblumenwiese wurde bereits Tage zuvor rund um unser kleines Feld (ca. 2x3m) gemäht, so dass wir uns mühelos an die Arbeit machen konnten. Etwas wehmütig mussten für die Ernte auch noch einige Mohn- und Kornblumen weichen, ein paar konnten aber auch vorsichtig „umsichlet“ werden. Nach einem kurzen Austausch über die richtige Technik und Taktik beim Schneiden, war die Aufgabe sehr kurzweilig und durch eine nette Unterhaltung begleitet. Es ist einfach immer wieder schön, wie im Verein neben den Arbeiten rund ums Haus, das Miteinander und die Geselligkeit die wichtigste Rolle spielen!
Abwechselnd haben wir geschnitten, gesäubert und gebunden. Beim Schneiden hat mehr oder weniger die Handgrösse den Takt vorgegeben, denn während die eine Hand mit der Sichel hantiert, hält die andere die Halme fest. Diese wurden dann von der nächsten Person übernommen und direkt von Gräsern, als auch dem unteren Blattwerk an den Halmen befreit und zu einer grösseren Garbe zusammengelegt. Dafür lag jeweils bereits eine Schnur am Boden bereit, die dann um die gesammelten Halme möglichst eng gebunden wurde, an der sie später auch aufgehängt werden sollten. Das Säubern der Halme vor dem Binden ist wichtig, da die Blätter und Gräser als eben auch die Halme beim Trocknen an Volumen verlieren und sich der Bund dadurch zu stark lockern könnte. Je weniger Zwischenmaterial eingebunden wird, desto geringer dessen Auswirkung auf das Volumen, denn die Lockerung könnte zum Zerfall der Garbe während der Trocknung führen.







Vom Roggen selbst haben wir nichts aussortiert – dicke und dünne, kurze und lange Halme wurden gleichbehandelt und werden erst zu einem späteren Zeitpunkt nochmals sortiert und für unterschiedliche Zwecke verlesen.




Die Arbeit ging leicht von der Hand und die Sichel hat sich als durchaus scharf erwiesen (ein Finger hat gelitten, konnte aber sofort verarztet werden), so dass wir nach ca. 1h bereits 6 pralle Garben gebunden hatten und das Feld vollständig abgeerntet war.
Den Ort für die Trocknung hatte Ottilia als fachkundige Stroh-Projektleitung schon vor einiger Zeit gewählt und das Bau-Team am Gerberhaus hatte daher bereits alles notwendige vorbereitet. Wir konnten jetzt unsere Trockenvorrichtung unter dem Tenn-Dach mithilfe des Baugerüstes unkompliziert und sicher anbringen. Hier gelangt viel Licht hin und die Gaben werden stets gut durchlüftet – das A und O bei der Trocknung um gestaute Nässe unbedingt zu vermeiden. Mit etwa 70cm Abstand vom Haus ist die Aufhängung unter dem Vorsprung des Tenns von oben geschützt, muss aber nicht 100% im Trockenen sein, da sonst die Lüftung zu kurz käme. Hier darf das zukünftige Stroh auch bereits an der Sonne bleichen – die eigentliche Bleiche folgt allerdings ganz bewusst in einem der nächsten Schritte. Eine Schlaufe in der Schnur und eine um den Balken herum (so dass der Knoten leicht wieder gelöst werden kann), alles gut ausrichten für genügend Luftzirkulation und schon waren wir fertig…
… für den Tag! Denn die nächsten Arbeiten sind schon geplant und wer mag, darf hier gerne vorbeikommen und helfen. Am 16.8. und 23.8. werden wir jeweils ab 14 Uhr im Gerberhaus das Stroh rüsten, also von Blattwerk und allem befreien, das nicht für unsere Zwecke benötigt wird. Hier darf es gemütlich zugehen – schwätzen, fragen, erzählen und vielleicht mal etwas ausprobieren mit bereits vorhandenem Stroh. Die Arbeiten können draussen oder im Haus erledigt werden, daher sind wir für einmal nicht auf gutes Wetter angewiesen.
Wir freuen uns über fleissige Hände von interessierten Menschen an einem oder beiden Nachmittagen (Kinder sind herzlich willkommen).
